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Jenseits der Rolle: Über Macht, Hingabe und die Ehrlichkeit, sich selbst zu folgen

Was passiert, wenn wir aufhören, dem Blick von aussen zu gehorchen – und beginnen, der inneren Stimme zu folgen? Über Dominanz ohne Pose, Hingabe ohne Schwäche und die Freiheit, mehr zu sein, als man uns zutraut. Für Frauen. Und für Männer, die sich selbst wieder glauben wollen.





Da ist diese innere Stimme.

Sie ist leise, aber unbestechlich. Sie erklärt sich nicht, sie bittet nicht um Zustimmung. Sie weiss. Und sie bleibt. Lange habe ich gelernt, sie zu überhören – zugunsten dessen, was man mir von aussen zutraute. Heute höre ich hin. Und das verändert alles.

Man würde mir meine Dominanz nicht geben.

Nicht mir, dem Meitschi. Zu weich im Blick, zu freundlich im Ton, zu wenig kantig für die Schubladen anderer. Als müsste Macht sichtbar sein, laut, eindeutig, genehmigt. Doch Dominanz ist kein Auftritt. Sie ist ein innerer Zustand. Ein ruhiges Wissen darum, wo ich stehe – und dass ich mich nicht verschiebe, nur um erwartbar zu bleiben.

Ich habe aufgehört, mich danach zu richten, was man mir zutraut.

Ich richte mich danach, was ich in mir wahrnehme.

Und das ist ein feiner, aber radikaler Unterschied.

Dominanz zeigt sich nicht im Fordern, sondern im Entscheiden.

Nicht im Lautsein, sondern im Bleiben.

In der Klarheit, mit der ich meine Lust kenne – und nicht entschuldige.

Und dann gibt es auch diese andere Seite.

Die hingebungsvolle.

Die, die loslässt, weil sie es will. Submissiv nicht aus Schwäche, sondern aus Wahl. Hingabe als bewusster Akt, nicht als Aufgabe. Wer sich fallen lässt, weil er kann, hat zuvor innerlich gestanden.

Was uns oft im Weg steht, ist dieses ständige von aussen Wahrnehmen.

Dieses innere Publikum, das kommentiert, ordnet ein, korrigiert: So bist du doch nicht.

Doch. Bin ich. Und noch mehr. Menschen sind kein Entweder-oder. Sie sind ein vibrierendes Sowohl-als-auch.

Und ja, Männer dürfen das auch.

Vielleicht müssen sie es sogar.

In einer Zeit, in der Männlichkeit vorsichtig ausgesprochen wird – fast entschuldigt, fast gedämpft – liegt darunter eine leise Sehnsucht: sich selbst wieder ernst nehmen zu dürfen. Stark zu sein, ohne hart zu werden. Begehrend, ohne zu dominieren. Und weich, verletzlich, empfangend – ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Männlichkeit verliert nichts durch Verletzlichkeit.

Sie gewinnt Tiefe.

Auch Männer dürfen dieser inneren Stimme folgen. Der, die nicht immer führen will. Die sich nach Hingabe sehnt, nach Loslassen, nach dem Raum, in dem nichts bewiesen werden muss. Submissiv nicht als Verlust von Würde, sondern als Ausdruck von Vertrauen. Als Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Provokation:

Dass wir uns erlauben, unserer inneren Wahrheit zu folgen – selbst dann, wenn sie nicht ins Erwartungsraster passt.

Ich bin mir selbst näher als jedem Blick von aussen.

Und das reicht.

Ich höre hin.

Und ich folge. Du auch?


 
 
 

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